Politik

HANS-JOACHIM STENGERT * Ehrenmalstr. 15 * 47447 Moers * 26-01-99

DIE LÖSUNG DES PALÄSTINA-PROBLEMS

(An Enquiry into the Nature and the Causes of ...)

Das Palästina-Problem ist kein Problem, sondern ein Dilemma, lt. Duden die Wahl zwischen zwei unangenehmen Dingen. Man wird also nicht mit ein paar neuen schlauen Sprüchen weiterkommen, sondern nur, indem man tiefere Schnitte wagt.

Das Dilemma fängt schon bei der Religion an. Jerusalem als heilige Stätte für Juden, Christen und Mohammedaner ist schon ein endloser Zankapfel. Wenn dann noch der Anspruch als Hauptstadt dazu kommt (Juden und Mohammedaner), dann droht Gewalt und Krieg, besonders, wenn beide Religionen so fanatisch sind. - Die Christen bleiben da außen vor, zum Glück. Die paar Pilger nach Jerusalem (via dolorosa usw.) stellen keine christliche Präsenz in Palästina dar. Zudem starren die Christen in aller Welt nicht gebannt nach Jerusalem als dem Mittelpunkt ihres Glaubens, sondern sind mit ihren Kirchen im Lande zufrieden (oder mit dem Papst in Rom).

Politisch ist es auch nicht besser. Schon seit der Balfour-Deklaration von 1917 wird versucht, den Landstrich "Palästina" Juden und Arabern gleichzeitig als Siedlungsgebiet anzubieten. (Wer zwei Männern ein und dasselbe Mädchen als Freundin anbieten wollte, würde für verrückt erklärt werden!) Immerhin haben die Engländer 1948, als die Sache immer noch nicht klappen wollte, ihr Mandat aufgegeben nach dem Motto: "Macht Euren Dreck alleine!" - Nach all den folgenden Kriegen, Ílembargo usw., sind wir heute immer noch nicht weiter. Nach wie vor wollen zwei Freier dieselbe Braut.

Ethnografisch ist die Sache schon eindeutiger. Allerdings nicht für die Israelis. Die haben richtigen Tritt, alle anderen haben den falschen. Will sagen: wohin man blickt, alles Araber in der nahen und ferneren Umgebung, aber die Juden sagen, da müssen wir hin! Und wenn wir dahin wollen, müssen die anderen eben Platz machen. - Man fragt sich, was das für ein Gefühl sein muss, von allen Seiten von feindlichen Andersgläubigen umgeben (umzingelt) zu sein, und das für alle Zeiten.

Und demografisch? Die Israelis vermehren sich ganz ordentlich, und es ziehen immer noch neue Juden ins Land. Aber die Araber vermehren sich viel stärker, sie dürfen sogar mehrere Frauen haben. Da kommen die Juden bestimmt nicht gegen an, auch nicht mit Viagra (kleiner Scherz).

Natürlich sind die Israelis tüchtig. Sie haben auch eine starke Armee. Und meinetwegen auch starke Freunde in den USA. Aber wenn man sich das Ganze mal im Zusammenhang betrachtet, dann arbeitet die Zeit doch gegen sie. Und sie können die Araber (sage ich mal als Oberbegriff) nicht rausschmeißen. Dafür sorgt unter anderen auch die UNO. So what?

A B H A U E N !

Natürlich nicht von heut auf morgen, aber sich schon mal ein bißchen umsehen, wo in der Welt noch Platz ist für ein paar Millionen tüchtiger Menschen weißer Hautfarbe, wo sie nicht von allen Seiten von fanatischen Feinden bedrängt sind. Ich will jetzt nicht alle denkbaren Varianten aufzählen, weil das Ziel für mich schon klar ist:

Ab nach Amerika! U.S.A. Da wohnen doch schon jede Menge Juden, viele davon in einflussreichen Positionen. Die werden sich freuen, wenn sie ihre Hilfe nicht mehr nach Nahost zu schicken brauchen, sondern auf kurzem Weg ins eigene Land. Da kann eine Menge Geld gespart werden, und es fliesst nicht, wie heute bestimmt viele denken, in ein Fass ohne Boden.

Der Staat Israel ist ca. 21.000 qkm groß. Der Bundesstaat Oregon (zum Beispiel) ist zehnmal so groß bei etwa gleicher Einwohnerzahl. Da müßte Israel am Stück bequem hineinpassen. Natürlich muss es nicht Oregon sein. Vielleicht möchten sie mehr südlicher wohnen mit mehr Sonne und Sand. Also New Mexico? Nicht alle Juden werden das mögen. Viele kommem aus Deutschland oder aus Russland. Die hätten es viellicht lieber kühl und waldig. Aber Amerika ist groß.

Man könnte sich auch überlegen, ob man überhaupt ein eigenes zusammenhängendes Stück Land haben will (z.B. einen neuen US-Bundesstaat "Israel") oder ob man einfach im großen Gelobten Land USA aufgehen will als einfacher, aber nicht mehr von Arabern (oder Palästinensern) bedrängter, umzingelter, bedrohter Bürger. Es gibt ja schon größere Reservate, z.B. für Indianer, Quäker oder Eskimos. Vielleicht auch eins für Juden? Muß ja nicht sein, das langsame Einsickern in die USA bei gleichzeitigem langsamem Aus-Sickern aus Israel würde ja auch genügen. Wenn erst mal alle transferiert sind, kann man ja weitersehen: Landkauf (palästina-ähnliche Wüsten sind billig), eigene Siedlungen, Städte, Flugplätze, Wolkenkratzer usw. Da gibt es viele Möglichkeiten, wenn man erst mal die Araber nicht mehr am Hals hat. Und auch Bill Clinton und Frau Albright würden da gerne weiter helfen.

Warum aber hauen sie nicht schon längst ab oder peilen es wenigstens an? Erst mal, weil sie selber ziemlich fanatisch sind. Sie bringen sich auch schon mal gegenseitig um. Und das Land der Väter den Moslems zu überlassen, das käme ihnen wie Verrat und Gotteslästerung vor. Und Jerusalem als Hauptstadt des Judenreiches ist auch etwas, was man nicht aufgeben kann. Nur daß andere das ebensowenig können und wollen. - Also ewig so weiterwursteln und hoffen, dass man den immer mehr werdenden Jugendlichen der Palästinenser auf die Dauer mit Gummigeschossen beikommen werde? (Bei Goethe heisst das: "Wenn hinten fern in der Türkei die Völker aufeinanderschlagen..." Ist also so neu nicht.)

Notabene wäre so ein Auszug der Kinder Israel natürlich ein Fest für die Palästinenser. Sie hätten das ganze Land endlich für sich und könnten in die Häuser der Israelis einziehen und in ihre Städte mit Strom, Telefon und Wasser aus dem Jordan, guten Straßen, Flughäfen, Krankenhäusern und und und. Glatt wie Weihnachten! Bloß - wie lange dieses Glück dauern wird, kann heute niemand vorhersagen. Sicher werden die Syrer sich die Golanhöhen mit den Jordanquellen so schnell wie möglich zurückholen, und was die Jordanier an ihrer Grenze mit dem Jordanwasser machen werden, ist auch noch offen. Aber immerhin, ein Schritt zum Besseren wäre es für die Palästinenser auf alle Fälle.

Also - ohne jetzt und hier Parallelen zur Politik in Deutschland ziehen zu wollen - wenn es auf die alte Tour nicht mehr geht, müssen ganz neue und extrem andere Denkansätze her. Und ich will auch gar nicht behaupten, dass ich jetzt den Stein der Weisen gefunden hätte. Aber ein paar Gedanken in ungewohnter Richtung können bestimmt nicht schaden und werden mir zumindest ein paar empörte Repliken im Gadget einbringen. Bin ich selbst dran schuld.

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